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«Dantes Poesie – das ist eine wirkliche Ekstase» - “La poesia di Dante che è una vera e propria estasi”
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December 5th, 2008Dante, Divina Commedia, Interviste, Roberto Benigni, TuttoDanteRiportiamo un’intervista in tedesco rilasciata da Roberto Benigni il 4 dicembre 2008, due giorni prima dello spettacolo di Zurigo del 6 dicembre 2008, tappa iniziale del nuovo tour mondiale di TuttoDante. [Per leggere la versione tradotta da Google Translate in italiano cliccate qui]
«Dantes Poesie – das ist eine wirkliche Ekstase»
Von Susanne Kübler. Aktualisiert am 04.12.2008

Am Samstag kommt der italienische Schauspieler, Regisseur und Komiker Roberto Benigni mit seinem Programm «TuttoDante» nach Zürich.Roberto Benigni – das ist ein Vulkan in Dauer-Eruption, wobei er je nachdem Pointen, Faxen, Euphorie oder auch Weisheiten ausspuckt. Benigni kletterte über die Stuhlreihen zur Bühne, als er für seinen wirklich ergreifenden Film «La vita è bella» einen Oscar bekam. Er küsste den TV-Showmaster Pippo Baudo ebenso stürmisch wie Enzo Biagi, den Grandseigneur des italienischen Journalismus. In seinen Einmannvorstellungen redet er ohne Punkt und Komma, und Silvio Berlusconi kommt nicht gut weg dabei. Auch in seinen Filmen gibt er oft den zappeligen Dauerquassler, was nervig sein kann oder auch hinreissend (etwa in Jim Jarmuschs Film «Down by law», der ihn international bekannt machte). Seit 2006 ist Benigni nun schon als ebenso exaltierter wie ehrlicher Anhänger von Dante und seiner «Divina Commedia» unterwegs, mit der Show «TuttoDante», die er jetzt auch ausserhalb Italiens zeigt.
Wie würde man ein Telefoninterview mit so einem überstehen?, fragt sich die Journalistin und sitzt ein bisschen bange vor dem Apparat. Dann ruft die Managerin an, gibt noch einmal die Regeln durch: Zehn Minuten, keine Fragen zur Politik. Und dann kommt Benigni.
Ciao Susanne! Wie gesagt: Wir reden eine Stunde, und nur über Politik!
Bestens.Wie gehts? Das ist das erste Interview für meine Welttournee! Mit einer Zürcher Journalistin! Ich bin ganz aufgeregt!
Natürlich. Was bringen Sie denn nach Zürich, das Paradies oder die Hölle?
Zürich ist ja eine paradiesische Stadt, da muss ich natürlich die Hölle mitbringen, einen der schönsten Momente aus dem «Inferno»: Die Geschichte der grossen Liebenden Paolo und Francesca. Das ist ja eine wunderbare Geschichte, eine der internationalsten in der ganzen «Divina Commedia», von geradezu skandalöser Schönheit, und…Seit wann pflegen Sie eigentlich Ihre Leidenschaft für Dante?
Für mich ist Dante ein Teil der Natur, von jeher. Ich lebe mit ihm, seit ich klein bin, in der Toscana geht das gar nicht anders, da zitieren Grosseltern, Tanten und Schwäger immer irgendwelche Verse, ganz verdreht manchmal. Dante hat uns als Kinder in den Himmel und in die Hölle geschickt, er war ein Beispiel für uns mit seiner Wissbegierde, ein Freund, der uns Geschichten erzählte… Ich verdanke ihm sehr viel.Mehr als dem anderen grossen Toscaner, Boccaccio?
Ja, auf jeden Fall. Boccaccio lernt man schätzen, wenn man grösser wird – er ist ja doch etwas freizügiger, darum haben sie uns den ein kleines bisschen versteckter gehalten als Dante.Dante ist ja…
… so geheimnisvoll, so universell, so populär! Es gibt keine Ecke in der Welt, in der Dante nicht gefragt wäre. Arabische Staaten haben uns angefragt, nach Japan und Taiwan hätten wir gehen sollen, das können wir leider nicht, sonst wäre diese Tournee ja endlos. Diese Poesie – wenn man sie fühlt, dann zerreisst es einem das Herz, dann hört man auf zu denken, dann spielen Urteile, Ideale, Ideologien keine Rollen mehr, es ist eine wirkliche Ekstase.Was halten Sie denn vom Sündenregister, das dem «Inferno» die Struktur gibt? Da wird ja zum Beispiel ein Mord als weniger schlimm einstuft als ein Betrug.
Das ist eben eine evangelische Wahrheit, ein Gesetz, eine Ordnung, die vom ganzen Wissen der Epoche geprägt ist. Das Schöne an Dante ist doch, dass er alles zusammenfasst, was seine Epoche ausmachte. Es gibt heute keinen einzigen Dichter, von dem wir sagen könnten: Der repräsentiert uns komplett. Aber im Mittelalter gab es eben Dante, und der repräsentierte seine Zeit, wie eine gothische Kathedrale, bei der aussen die Teufel und Monster dargestellt sind, und wenn man hineingeht, dann gibt es da diese wunderbaren Rosetten, durch die man das Licht des Paradieses sieht. Er hat alle Stile verwendet, die es zu seiner Zeit gab – wenn man sämtliche Bilder der Uffizien zusammenmischt, dann bekommt man eine blasse Vorstellung von Dantes Poesie. Und er hat von allem gesprochen, was uns betrifft, von unseren Tugenden, Lastern, Leidenschaften, Gefühlen…
Aber wie hält es denn Dante mit dieser evangelischen Ordnung?
Er ist ja oft nicht einverstanden mit Gott. Warum wird Francesca, die so sehr geliebt hat, mit der Hölle bestraft? So ist eben das Gesetz, und Dante fällt ja bei dieser Geschichte ohnmächtig um, wie tot, das geschieht danach im ganzen «Inferno» nicht mehr. Es ist, wie wenn er nicht einverstanden wäre, aber er kann das Gesetz nicht ändern.
Warum ist Dante bis heute aktuell geblieben?
Seine Grösse besteht gerade in den Details, etwa in der exakten Beschreibung von Gefühlen, die ja ganz einfache Gefühle sind. Wenn er von Angst schreibt, dann ist es die Angst, die wir haben beim Erzählen von Schauergeschichten vor dem Kamin. Er schreibt über himmlische Befehle nicht anders als wenn er schildert, wie ein Schneider seine Nadel einfädelt.Womit wir wieder beim totalen Abbild einer Epoche wären.
Natürlich, Dante hat die Enzyklopädie erfunden, 500 Jahre vor den Enzyklopädisten, und nicht nach Alphabet geordnet, sondern in Versen. Er hat ja alles besprochen, die Klassizität, die Astronomie, die Geografie, die Geschichte, die Philosophie, die Anatomie……und die Politik. Wir dürfen ja gemäss Abmachung nicht über Politik reden – aber über Dante reden, ohne die Politik zu erwähnen, ist doch ein bisschen schwierig, oder nicht?
Es gibt heute keine engagierten Autoren mehr, wie er einer war. Die Politik war sein Ruin, aber er hatte eine majestätische Vorstellung davon. Für uns heute wäre das vielleicht ein bisschen lächerlich, aber damals war es innovativ, revolutionär. Dante hätte eher einen Aussätzigen geküsst, als einem Idioten die Hand gegeben.Die Strafen, die die Sünder in der «Divina Commedia» erleiden, haben ja immer direkt mit ihren Sünden zu tun. Welche Strafe hätte sich Dante denn für die heutigen Idioten ausgedacht?
Oh, mamma mia, diese Entsprechung, diese «legge del contrappasso», nach der die Strafe entweder dem Vergehen entspricht oder genau das Gegenteil darstellt, das macht mir fast am meisten Spass in diesem Werk. Die Entsprechungen sind ja manchmal ganz einfach zu verstehen, manchmal auch unglaublich raffiniert, wenn er etwa die Lüsternen in einem ewigen Sturm fliegen lässt. Aber jetzt sagt meine Managerin, ich dürfe nur noch eine Frage beantworten.Eben, was wäre mit den heutigen Idioten?
Ja, was könnte man mit denen machen? Es ist ja eine fast kindliche Frage, jeder denkt sich mal, «wenn ich könnte, dann würde ich den dort- oder dahin schicken», aber eigentlich kommen einem da nur Pointen in den Sinn. Dantes Strafen dagegen sind keine Pointen, da ist eine philosophische Struktur dahinter, die man nur bewundern kann.Danke fürs Gespräch.
Bitte. Und rufen Sie mich doch heute Abend noch einmal an, dann können wir weiterreden, dann ist meine Managerin nicht mehr da!Erstellt: 04.12.2008, 20:01 Uhr
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